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Hätten wir die Möglichkeit in eine Kristallkugel zu blicken, so würden wir uns wünschen eine Stärkung und Weiterentwicklung unserer vier Kernkompetenzen sehen zu können:
Anästhesiologie
Wer, wenn nicht der Anästhesist, weiß über den Zusammenhang zwischen den Vorerkrankungen der Patienten und den daraus resultierenden potentiellen intraoperativen und postoperativen Ereignissen/Komplikationen Bescheid. Die präoperative Untersuchung und Evaluierung ist also elementarer Bestandteil unseres Fachs. Diskussionen über die Auslagerung bzw. das Einbetten dieser Leistung in andere Fachdisziplinen, wie beispielsweise die Allgemeinmedizin, müssen daher sehr kritisch gesehen werden. Das Argument, dass man diverse „Voruntersuchungen“ nach katalogisierten Vorgaben abarbeiten kann, muss als nicht zulässig zurückgewiesen werden. Die anästhesiologische Fachexpertise wird über einen entsprechenden Ausbildungsweg erworben und ist Grundvoraussetzung für eine qualitative präoperative Risikostratifikation. Die Forderung nach Schonung der finanziellen Ressourcen, beispielsweise durch das Vermeiden von Mehrfachdiagnostik (Labor, CT, Röntgen etc.)im präoperativen Bereich, wird nicht erreicht werden können, indem die Entscheidung über die Notwendigkeit dieser Untersuchungen in fachfremde Hände gelegt wird.
Intensivmedizin
Im Bereich Intensivmedizin muss eine ausreichende zeitliche Rotation mit klar definierten Ausbildungsstandards gefordert werden. Das Anrechnen diverser Tätigkeiten, wie die postoperative Betreuung von Patienten im Aufwachraum oder die Begleitung von Intensivpatienten im Sekundärtransportwesen, können jedenfalls nicht als Ersatz für eine Ausbildung innerhalb der medizinischen und pflegerischen Kompetenz einer Intensivstation akzeptiert werden. Vielmehr sind diese Aufgaben als wichtiger und ergänzender Bestandteil unserer umfassenden Fachausbildung im Ganzen zu sehen.
Schmerzmedizin
Der anästhesiologische Beitrag zur Therapie akuter und vor allem chronischer Schmerzpatienten, hat in den letzen Jahren nicht zuletzt auf Grund des Engagements vieler Kolleginnen und Kollegen wesentlich an Bedeutung gewonnen. Während Schmerzambulanzen mittlerweile in vielen Spitälern implementiert sind, wäre es wünschenswert, dass auch entsprechende Bettenkapazitäten für die interdisziplinäre Schmerzbehandlung flächendeckend geschaffen werden würden.
Notfallmedizin
Die anstehende Reform der notärztlichen Ausbildung sieht verpflichtend ein Anästhesiologie -Modul vor. Ein erster und wichtiger Schritt dazu, lernenden Kolleginnen und Kollegen das Handwerkzeug zur Akutversorgung schwer kranker oder verletzter Personen aus professionellen Händen zu reichen. Der Druck einer falschen Personalpolitik bzw. -planung (nicht akzeptierte Fehlzeiten während der Ausbildung etc.) darf sich jedenfalls nicht in einer mangelnden Ausbildung spiegeln und/oder am Rücken der Notärzte und letztlich auch der Patienten ausgetragen werden.
Engagieren wir uns gemeinsam!
Ihr Johann Kainz
Beruf verbindet - Berufsverband |